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Donnerstag, 3. Dezember 2009
50 Jahre Sammlungspolitik im MUSA
Detailbild groß Esel Blog

Vorwort
"Uns allen soll es klar sein, dass sich in Zeiten so gewalteiger Umwälzungen, wie sie gegenwärtig der Siegeszug der Technik bewirkt, von Grund auf und zwangsläufig auch neue Anschauungen von Schönheit entwickelt werden müssen. (...) Das Experiment war seit dem Beginn der Menschheitsgeschichte die unversiegbare Quelle, aus welcher jede höhere Entfaltung gespeist worden ist. Und eines dieser zahllosen Experimente ist auch die Auseinandersetzung mit den Versuchen der modernen Kunst“

So formuliert Bürgermeister Franz Jonas anno 1950 zu „Kunst am Bau“ etwaige Skepsis gegenüber Kunst, die dennoch tapfer dem Volk zum Zwecke höherer Bildung vermittelt wurde - und seit 1951 auch für die Sammlung der Stadt Wien angekauft wurde.

Gegenwart vor Augen
In Wien mehren sich Ausstellungen, die mit dem richtigen Blick der eigenen Geschichte zu Leibe rücken. Neben „Kampf um die Stadt“ über politische und technische Entwicklungsschübe der 30er Jahren, nimmt nun das Museum der Stadt Wien MUSA die eigene Sammlungspolitik seit den "Fünfziger Jahren" mit Fokus auf „Kunst und Kunstverständnis in Wien“ ins Visier.

bis 6.2. / Die 50er Jahre: Kunst und Kunstverständnis in Wien / MUSA

Rahmenbedingungen
Mit offener Neugierde an der eigenen Vergangenheit erforschen MA7-Bildende-Kunst-Verantwortlicher Berthold Ecker und sein Vorgänger Wolfgang Hilger die Basis der heutigen Sammlung - und nach Entscheidungsträgern und deren -kriterien. Das Konvulut von ca. 20.000 Werken versucht seit damals den Spagat zwischen breitem Künstlerförderungstool und zukunftsweisender Qualitätsauslese

Das Wirken „ästhetischer Kriterien politischer Kräfte“ wird nicht ausgeklammert: „Bei allem guten Willen , der damals gegeben war, wurde dadurch die Dominanz der Mittelmäßigkeit zum Maßstab einer Kulturpolitik, einer Politik, die es allen recht machen wollte“ (Wolfgang Hilger).

Inventarnummer 01 trägt zufällig eine eigenwillige Heurigenszenerie von Erich Huber mit dem Titel „Phäaken“ - laut Wikipedia: „...in Österreich geruhsam und üppig dahinlebende Leute".

Erstkontakt mit Unbekannten
Erwartet Euch nicht zuviel. bzw. zuviel des Guten. (Das Highlight solcher Forschungen ist wie so oft der Katalog) Die Schau dominiert risikofreie Landschaftsmalerei, Zeitgeist von Damals und (Hand)Arbeiten auf Papier, thematisch geclustert - mittendrin einige Namenstäfelchen, die als „Große Namen“ in die Gegenwart herangewachsen sind: zu „Zeitgenossen“ auf Kunst- und Antiquitätenmessen (Hans Staudacher - Inventarnummer 03) bis zur „contemporary art“ Viennafair (Maria Lassnig - Katalogcover). Die No Names von damals sind nach ihrer Relevanzwerdung heute der Maßstab für Durchschnittskunst von Heute.

Phantasie zwischen den Stühlen
Eine eigenwillige Außenseiterposition nehmen in der Schau die Bildwelten der „Phantastischen Realisten“ ein, die damals noch keiner kannte und, zu denen sich heute auch kaum jemand bekennen mag.

eSeLs Neugierde wurde (durch eines der wenigen Fotos in der Ausstellung) für den Bewegungsforscher Curt Stenvert geweckt, der anno 1947 (fotomontiert) an seiner eigenen Violinspieler-Bewegungsstudie herumschraubt (PS: Diese Woche startet übrigens das Roboexotica Festival)

Kunst vom öffentlichen Baum

Die zweite, damals gestartete Säule der Künstlerdirektförderung heisst heute „Kunst im öffentlichen Raum“, die in ihrer 50er-Jahre ff. Variante als "Kunst am Bau" in Form von steinernen Pelikanen und sonstigen Skupturalien den MUSA Besuchern entgegen starrt.

Ein wahres Sammlerstück für KÖR-Forscher sind die Originalbroschüren aus den 6oer Jahren, in denen neben sämtliche Brunnen und Gemeindebautenmosaiken die Vorworte der verantwortlichen Politiker protokolliert sind. Vielsagender Titel: „Die Stadt Wien als Mäzen“ . Gibt´s derzeit im MUSA für einen Bettel von 2 Euro!

Dank Verquickung mit stadtplanerischen Interessen (und den legendären "Bausummenprozenten für Kultur") hatte „Kunst am Bau“ schon in den Fünfziger Jahren stets doppelt so viel Geld wie die Ankaufsbudgets der Stadt zur Verfügung. (Für Sammlungserweiterung steht etwa so viel Geld bereit wie für den Jahresbetrieb der stadteigenen MUSA - Ausstellungsflächen. 2008: ca. 450. 000 Euro)

Dritte Säule
Über direkte Künstlerförderung durch Ankäufe entscheidet für die Stadtsammlung eine Jury (Berthold Ecker: "Es sind immer VertreterInnen von Akademie, Angewandter, der Museen, der Kunstwissenschaft, des Kunstjournalismus und der KünterInnenvereinigungen dabei").

In der Startgalerie des MUSA können inzwischen auch die Besucher beisteuern: Zu den Ausstellungen junger Künstler liegt eine Preisliste auf, wo man die ausgestellten Werke direkt (und provisionsfrei) für daheim kaufen kann.

bis 10.12. / Philip Patkowitsch: Somewhere North to the Future / MUSA Startgalerie

Wandbehang
Ansonsten bleibt noch die (provisionsfreie) Direktmiete aus der Sammlung über die Arthotek, die ebenfalls im MUSA untergebracht ist. Nur eSeLs Freund den Pelikan gibts dort leider nicht zu haben, der ist zu 3D.

  • MUSA : Die Fünfziger. Kunst und Kunstverständnis in Wien
  • foto.esel.at: Die Fünfziger
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